Studie: Bis 2020 werden 2.470.000 neue Wohnungen benötigt

Aufgrund der Flüchtlingskrise könnte die Wohnungsnot in Deutschland viel größer werden als gedacht. Bis 2020 müssten jährlich etwa 494.000 Wohnungen gebaut werden, also insgesamt fast 2,5 Millionen Einheiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Professor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg.

Zum Vergleich: Eine Studie vom Bundesamt für Bau-, Stadt- und Raumforschung hatte Mitte 2015 noch prognostiziert, dass bis 2020 jährlich ein Bedarf von 272.000 neuen Wohnungen besteht. Das wären insgesamt 1.360.000 Einheiten.

Mehr Wohnraumnachfrage durch Flüchtlinge

Professor Raffelhüschen zeigt in seiner Studie, dass die Flüchtlingsströme einen deutlichen Einfluss auf die langfristige Wohnungsnachfrage in Deutschland haben werden. In der Studie wird einem Basisszenario ein Flüchtlingsszenario zum Bevölkerungswachstum gegenübergestellt. Auf lange Sicht gehe das Statistische Bundesamt davon aus, dass weiterhin jährlich 200.000 Menschen nach Deutschland einwandern werden. Dadurch werde der Wohnflächenbedarf noch bis 2060 nicht mehr unter das Niveau von 2016 fallen.

Bevölkerungsrückgang elf Jahre später

Im Basisszenario würde die Bevölkerung in Deutschland 2032 zum ersten Mal unter die Marke aus dem Jahr 2013 fallen. Im Flüchtlingsszenario ist dies erst 2043 der Fall, also elf Jahre später. Der größte Unterschied bei der Bevölkerung zwischen Basis- und Flüchtlingsszenario wird für 2037 mit etwa zwei Millionen zusätzlichen Einwohnern prognostiziert.

85 Prozent der Wohnungen im Westen benötigt

Mit jährlich 422.000 wird das Gros der Wohnungen in den alten Bundesländern benötigt. In den neuen Bundesländern müssen nur etwa 72.000 Einheiten pro Jahr fertiggestellt werden. Auf die Flüchtlinge entfallen bundesweit pro Jahr 174.000 Wohnungen, die neu entstehen müssen. Auch hier sind die meisten Einheiten im Westen der Republik erforderlich.

Flüchtlinge tragen zur Alterung der Gesellschaft bei

Da die Zuwanderer im Schnitt jünger sind als die bestehende Bevölkerung, wird die allgemeine Alterung der Gesellschaft im ersten Moment gebremst. Ab dem Jahr 2053 wird die Alterung der Gesellschaft durch die Flüchtlinge jedoch sogar beschleunigt, so die Studie.

Fazit

Bis 2020 werden jährlich deutlich mehr Wohnungen benötigt als bisher angenommen. Die Flüchtlingsströme verzögern den Bevölkerungsrückgang um etwa elf Jahre. Der Großteil der neuen Wohnungen muss in den alten Bundesländern entstehen.

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